JÖRG ERNERT

1974  geboren in Leipzig
1991-1996  Studium der Malerei bei Wolfram Ebersbach und Prof. Neo Rauch, Hochschule für Grafik und Buchdruck, Leipzig
1991-1996  Fachklasse Malerei/ Grafik bei Prof. Sighard Gille
1996  Studienaufenthalt in New York
1998-2001  Meisterschüler bei Prof. Sighard Gille, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2004  Lehrauftrag an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

 

Jörg Ernert bindet die Sujets seiner Malerei an eine konkret erfahrbare Realität. Architektur- und Raumerfahrungen bilden meist den Ausgangspunkt für seine Bilder. Die Titel der Bildserien lassen diesen Realitätsbezug deutlich werden: Chinatown, Kraftwerk oder Automesse. Er wählt als Motive Fabrikhallen, Straßenbahnen, Turnhallen und andere Architekturen und öffentliche Orte. Ernerts expressive Malerei zeichnet sich durch eine kraftvolle Pinselführung und intensive Farbgebung aus. Die Lebendigkeit und Unmittelbarkeit, die seine Arbeiten ausstrahlen sind aber gleichermaßen einem konzeptionellen Vorgehen unterworfen. Meist vollzieht sich der Bildfindungsprozess und die Herstellung der Bilder in mehreren Schritten: ein konkretes Erlebnis vor Ort führt zu einer Skizzierung der Situation mit Tusche oder Kugelschreiber und ohne Farbauftrag. Die malerische Umsetzung zum Bild folgt dann einem spontanen Impuls und orientiert sich kaum noch an der vorliegenden Zeichnung, sondern emanzipiert sich durch die Farben und das Vorstellungsvermögen des Malers. So konkret der Ausgangspunkt des jeweiligen Bildes ist, so frei und abstrakt wird das Gesehene interpretiert. Auch wenn die Bilder architektonische oder andere raumspezifische Eigenheiten beibehalten, malt Jörg Ernert gegen die konkrete Realität an, übersteigert und verändert die Situationen. Raumstrukturen lösen sich auf und werden zu Flächen oder durch unklare Elemente im Bild ergänzt. Die Räume bekommen damit eine eigene Relation und Geometrie. Ernert lotet die Untiefen der Projektion, der Erinnerung und die verborgene Kontraste zwischen der individuellen Erfahrung einer Architektur und ihrer eigentlichen Funktion aus. Die erkennbaren Teile in seinen Bilder stehen inmitten einer bewegten und dynamischen Raumdarstellung. Der sichere Grund einer figurativen oder konkreten Malerei wird den Betrachtern entzogen. Jörg Ernert schafft es ohne Bedeutungskitsch und große geschichtliche oder verklausulierte Verweise auf die eigene Biografie und Persönlichkeit, intensive Erfahrungen zu vermitteln. Diese Intensität überträgt sich auf die Betrachter und verweist darauf, das in jedem Moment unseres Alltags und Erlebens Möglichkeiten für eine komplexe und neue Sichtweise bestehen.

Maik Schlüter 2006

 

150x210 cm | Acryl auf Leinwand | 2006

40x60 cm | Acryl auf Leinwand | 2006

40x59 cm | Acryl auf Leinwand | 2006

38x40 cm | Acryl auf Leinwand | 2005

38x40 cm | Acryl auf Leinwand | 2004