JIRKA PFAHL

Arbeiten
1976 geboren in Wurzen
2010 Meisterschüler bei Prof. Helmut Mark, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
2005/2006 Gasthörer bei Joseph Kosuth, Akademie der Bildenen Künste München
2005-2008 Mitbetreiber der Galerie Hobbyshop München, gegr. 1999 in Leipzig
2004 Medienkunstdiplom bei Prof. Helmut Mark, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
lebt und arbeitet in Leipzig

 

AUSZEICHNUNGEN UND STIPENDIEN

2015 Ankauf der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
2013/2014 Produktionsstipendium AOYS (art on your screen) des Zentrum für Kunst und Medientechnologie ZKM Karlsruhe
2010 Produktionsstipendium Raum 107 der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

 

 

Durch seinen appropriierenden, oft spielerisch-experimentellen Zugriff führt Jirka Pfahl aktuelle Aspekte von Medialität, Kommunikation und Diskurs einer kritischen Analyse zu, die nicht nur sehr genau über „Kunst als Kunst“ reflektiert, sondern sich immer auch unmittelbar auf die Gesellschaft bezieht und diese damit einer beständigen Überprüfung unterzieht.
Jirka Pfahl stellt in seinen Arbeiten inhaltliche Bezüge her, die wie ein Rollenspiel Entscheidungen ermöglichen, so dass ein Betrachter die Möglichkeit erhält, frei von diktierten Lesarten zu eigenen Interpretationen zu gelangen. Konstruktion von Sinn wechselt mit dessen Destruktion ab. Bewusst behalten seine Objekte ihren selbstgebauten Charakter, um Nachvollziehbarkeit, gleich eines Selber-Machen-Könnens, zu bewahren. Damit forciert Jirka Pfahl eine dekonstruierende Lesart, die auf die Sichtbarmachung von Sinnhaftigkeit als kontingenter Erfahrung abhebt. (Daniela Stöppel)

Festgelegte Unordnung – Wer bestimmt die Regeln

Betrachte ich Faltungen von Jirka Pfahl, wundere ich mich über das chaotisch erscheinende Ordnungsprinzip, nach welchem sich die einzelnen Elemente des Bildes anordnen. Untersuche ich das Verhältnis dieser Elemente des Gesamtbildes, stellt sich heraus, dass dieses sich mittels einiger Ordnungsregeln erzeugen lässt. Diese zugrunde liegenden Regeln schreiben vor, wie einzelne Elemente der Faltung als Folge miteinander in Beziehung stehen. Der Eröffnung eines Schachspieles gleich werden getroffene Entscheidungen über die Form und Lage der ins Bild gebrachten Faltung einen Einfluss haben auf Variationen des Gesamtbildes. Der Agent, welcher die Folge anlegt und ausführt, unterwirft sich einer programmatischen Prozedur vorher getroffener Entscheidungen.

In das ästhetische Zustandekommen (Handlung, Geste, Handwerk) der Faltung wird der Agent in Hoffnung geraten, weitere Determinanten zu prägen und diese innerhalb seiner aufgestellten Regeln zu rekombinieren. Wird diese Aussicht nicht erfüllt, kann er als autonomer Gestalter die Regeln ändern und so einen neuen Entscheidungsraum aufdecken – dies begründet ihm sein Spiel nach Erzeugung neuer Werke. (Nick de Hoog)

Struktur, Ordnung, Disziplin, Strenge, Weichheit, Wellen, Formen, Tiefe.

Die Papierarbeiten von Jirka Pfahl entfalten auf den ersten Blick eine von mathematischer Schönheit erfüllte Tiefe. Die strenge Form der akkuraten Linien verleiht jeder Arbeit etwas beruhigend–sinnhaftes, durch Lichteinfall und Betrachtungswinkel ergeben sich immer wieder neue Schattierungen, neue Muster. Die dreidimensionalen Werke meisterlicher Handarbeit ähneln der Kunst der Fuge des größten aller Einwohner Leipzigs. Im Zusammenspiel mit einer Rocaille Arbeit und einer neuartigen Monotypie zeigt sich die künstlerische Bandbreite von Jirka Pfahl, seine Wandlungsfähigkeit und seine Begabung, in jeder noch so unterschiedlich gewählten Kunstform den Betrachter zu fesseln und zu inspirieren. Betonabgüsse von mit Allgewalt ausgeführten Hammerschlägen, dicht aneinander gedrängt, bewegen den Betrachter im Tiefsten aufgrund ihrer scheinbar nicht enden wollenden Dynamik. Die kurz aufeinander folgenden Schläge hinterlassen im schaumigen Material jenen Hohlraum, der mit Beton ausgegossen die Energie des Hammers in seiner reinsten Form konserviert. Als Symbol des Handwerks und der Arbeit wurde der Hammer in unterschiedlichen Regimen ideologisch benutzt, erhält hier nun seinen ursprünglichen, dynamischen Zweck und Ausdruck zurück und lässt seine Bedeutung in der Kulturgeschichte sichtbar werden. (Juliane Lachenmann und Tamara Breitbart)

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